Studie zeigt: Sauerstoffgabe bei Herzinfarkt meist unnötig

Seit Jahrzehnten wird Herzinfarktpatienten standardmäßig Sauerstoff zugeführt. Das ist jedoch nicht unbedingt nötig – und möglicherweise sogar am Ende nachteilig für die Patienten.

Bereits 2014 erschien eine Studie, die Zweifeln an der routinemäßigen Sauerstoffversorgung von Herzinfarktpatienten Vorschub leistete. Das australische Forscherteam um Dr. Dion Stub hatte den Effekt dieser seit Jahrzehnten praktizierten Maßnahme mit dem, den das Einatmen der Umgebungsluft bei den Patienten zeigte, verglichen. Das Ergebnis war besorgniserregend: Die Zuführung von Sauerstoff hatte mehr negative als positive Wirkungen. Innerhalb von sechs Monaten nach dem Infarkt kam es häufiger zu kardiovaskulären Beschwerden als in der Umgebungsluft-Patientengruppe.

Hohe Wellen schlug die mit „Air Versus Oxygen in Myocardial Infarction“ betitelte Studie deshalb nicht, weil die Probandenzahl mit 638 sehr überschaubar war. Für belastbare Ergebnisse wird grundsätzlich eine deutlich höhere Teilnehmerzahl vorausgesetzt. Die erreichte – mit mehr als zehnmal so vielen Patienten – nun eine schwedische Studie, die kürzlich im „New England Journal of Medicine“ publiziert wurde. Ihre Ergebnisse gehen in die gleiche Richtung wie die der 2014er-Studie.

Sauerstoff sollte nur bei entsprechender Indikation zugeführt werden

Rund die Hälfte der 6.629 Infarktpatienten erhielt im Schnitt rund elfeinhalb Stunden lang über eine Atemmaske Sauerstoff, während die Vergleichsgruppe nur Umgebungsluft atmete. In puncto Sterblichkeit führte die unterschiedliche Behandlung zu keinen signifikanten Abweichungen: „Innerhalb eines Jahres gab es in etwa gleich viele Todesfälle in beiden Probandengruppen: 5,0 Prozent mit Sauerstoffzufuhr, 5,1 Prozent ohne“, erläutert der Herzmediziner Dr. Rainer Ruf vom Ambulanten Centrum in Berlin-Friedrichshain. „Der Unterschied ist statistisch nicht bedeutsam, anders als die verschiedenen Werte bei den erneuten stationären Behandlungen im selben Zeitraum: Während von den Patienten mit Sauerstoffgabe 3,8 Prozent noch einmal in eine Klinik eingewiesen wurden, waren es in der Vergleichsgruppe nur 3,3 Prozent“, so der Kardiologe weiter.

Die schwedischen Forscher kommen aufgrund dieser Ergebnisse zu dem Schluss, dass die pauschale Versorgung mit Sauerstoff nach einem Herzinfarkt eher schadet als nützt. Das Gas solle nur dann zugeführt werden, wenn eine konkrete Indikation vorliegt. Infrage kommen dafür im Wesentlichen akute Herzinsuffizienz und Hypoxie (Unterversorgung mit Sauerstoff).