Zu viel Ehrgeiz beim Abnehmen kann dem Herzen schaden

Viele kulturelle Entwicklungen der USA vollziehen Europäer und insbesondere Deutsche gern mit einer gewissen Verzögerung nach. Das gilt – leider, wie man aus medizinischer Sicht sagen muss – auch für das Ernährungsverhalten. Es wird mehr gegessen, und es wird mehr Fast Food und sogenanntes Convenience Food gegessen, das prinzipiell weniger gesunde Nährstoffe und mehr Fett und Zucker enthält.

Als Konsequenz daraus wird Deutschland immer dicker. So sind laut einer Studie der Deutschen Gesellschaft für Ernährung fast drei Viertel der Männer hierzulande beim Wechsel in den Ruhestand übergewichtig, bei den Frauen dieser Altersgruppe sind es 56 Prozent. Der Anteil der Fettleibigen (BMI über 30) stieg seit 1990 um rund 40 (Männer) bzw. 24 Prozent (Frauen). Eine besorgniserregende Tendenz, sowohl für jeden Einzelnen als auch für die Gesellschaft als Ganzes. Denn Übergewicht ist gesundheitlich in mehrfacher Hinsicht gefährlich, es schadet dem Herz-Kreislauf-System ebenso wie den inneren Organen und dem Bewegungsapparat.

„Jeder Übergewichtige, der sich zum Abnehmen entschließt, ist zu beglückwünschen und zu unterstützen, denn damit verlängert er potenziell sein Leben und steigert zugleich seine Lebensqualität“, betont denn auch der Kardiologe und Allgemeinmediziner Dr. Rainer Ruf vom Ambulanten Centrum Berlin. Der erfahrene Herzmediziner hat aber zugleich eine Warnung parat: „Auch mit dem Abnehmen kann man es übertreiben. Das gilt zum einen für die komplementäre Seite der Nahrungsaufnahme, die Bewegung: Wer jahre- oder jahrzehntelang Sportmuffel war, sollte seinem Körper nicht plötzlich Höchstleistungen abverlangen. Gesünder ist eine kontinuierliche Steigerung des Pensums. Zum anderen begehen viele Menschen den Fehler, ihre Nahrungsaufnahme zu drastisch herunterzufahren – das wiederum kann am Ende zu Herzschädigungen führen.“ 

Faustregel: Reduktion um 500 Kilokalorien täglich

Die Gefahr liegt darin, dass der Körper bei einer zu geringen Energieaufnahme Muskelmasse abbaut. Dabei macht er vor dem Herzmuskel nicht halt, was schließlich Herzrhythmusstörungen befördern kann. Als Faustregel gilt laut der Deutschen Adipositas-Gesellschaft: Um mehr als 500 Kilokalorien sollte man die tägliche Energiezufuhr nicht senken. Einen individuellen Wert erhält man mit der Formel „Normalgewicht (kg) mal 30 Kilokalorien minus 500 Kilokalorien“. Wer eine größere Reduktion wünscht, sollte in jedem Fall zuvor ärztlichen Rat einholen und die Diät idealerweise kontinuierlich ärztlich begleiten lassen.

Nicht nur kardiologisch ist eine moderate Diät gegenüber einer extremen Variante vorzuziehen. Hinzu kommt, dass der Jo-Jo-Effekt – also eine Gewichtszunahme nach der Diät – seltener auftritt, wenn nicht zu ehrgeizig gefastet wird. Und immerhin kann man, grob berechnet, bei einer Einsparung von 500 Kilokalorien täglich auf eine Gewichtsabnahme von fast fünf Kilogramm in einem Vierteljahr kommen. Ohne sich dafür mit übergroßem Hunger quälen zu müssen.